Zwischen Tobel und Burgruine – Von Rünenberg nach Läufelfingen


Für diesen Tag hatten wir uns vorgenommen, das Homburgertal zu erkunden und die Wanderung von Rünenberg nach Läufelfingen zu unternehmen. Wir erwarteten stille Täler, weite Felder und sanfte Übergänge zwischen Wald und Wiese. Der Weg sollte uns zum rauschenden Giessen-Wasserfall führen und hinauf zur Ruine Homburg, die als geschichtsträchtiger Aussichtspunkt über den Jurahügeln thront. Eine Tour, die Natur und Geschichte in angenehmer Balance verbinden und den Blick auf eine oft unterschätzte Ecke der Nordwestschweiz lenken würde.


In Rünenberg, Mitteldorf, waren wir aus dem Bus gestiegen und hatten das kleine Dorf hinter uns gelassen. Auf der Strasse in südlicher Richtung führte uns der erste Abschnitt hinaus ins Offene. Der Name mochte auf den ersten Blick übertreiben – „Berg“ klang nach Gipfel und Anstrengung. Doch mit seinen knapp 600 Metern über Meer lag Rünenberg tatsächlich erhöht: auf einem Plateau zwischen dem Eibach- und dem Homburgertal. Diese sanfte Höhe verlieh dem Ort eine gewisse Weite, die wir bereits beim ersten Schritt aus dem Dorf hinaus spürten.


Im Cholholz verliessen wir das Strässchen und folgten einem schmalen Naturweg. Dieser führte uns an den Rand des Stierengrabens, wo der Abstieg über mehrere Stufen ins Tobel begann. Bald erreichten wir den Giessen: Der Bach fiel hier achtzehn Meter über eine gewölbte Felswand, prallte auf einem Kegel aus Tuffstein auf und zog als feiner Dunst davon. Unten im Tobel standen Bänke bereit, die zum kurzen Verweilen einluden, während das Wasser gleichmässig über die Felsen rauschte. Von dort folgte der Weg weiter entlang des Bachs, der sich tief in den Stierengraben eingeschnitten hatte.


Wir wanderten durch das schmale Bachtälchen weiter hinaus, bis sich der Weg nach und nach verbreiterte. Das Gelände öffnete sich zu einer stillen Wiesenmulde, durch die der Bach gemächlich dahinfloss. Schliesslich mündete dieses Tälchen ins Homburgertal. Kurz vor dem Weiler Sommerau zweigte unser Weg nach links ab und führte auf einem Pfad in Richtung Rümlingen. Von da an begleitete uns die Bahnlinie, die seit 1858 Basel mit dem Mittelland verbindet und damit zu den ältesten Strecken der Schweiz gehörte. Südlich davon verläuft der Hauenstein-Scheiteltunnel, ein bedeutendes Bauwerk der damaligen Zeit.


Bald trat der Rümlinger Viadukt ins Blickfeld – ein 25 Meter hohes Bauwerk aus Stein, das sich markant über das Tal spannte. Der Wanderweg führte direkt auf ihn zu und machte die historische Dimension dieser Linie auf besondere Weise sichtbar.


Ein erneuter Anstieg stand uns bevor. Auf einem etwas steileren, aber angenehmen Wanderpfad durch den Wald erreichten wir den Weiler Mettenberg. Von dort führte der Weg über längere Zeit auf Asphalt weiter, ehe wir Häfelfingen erreichten. Die offene Landschaft und die weite Sicht zu den Jurahöhen sorgten dennoch für Abwechslung.


Nach Häfelfingen fassten wir am Waldrand wieder einen naturbelassenen Weg unter unsere Wanderschuhe. Beim Strässchen bei der Wanneweid führte uns der Pfad hinein in den Wald, vorbei an den Felsen der Rütiflue. Bald erreichten wir die bewaldete Kuppe des Hombergs, wo sich die Ruine Homburg verbarg.


Die ersten Teile des Bauwerks waren bereits um 1240 im Auftrag der Grafen von Frohburg errichtet worden. Später, im Jahr 1400, kam die Anlage in den Besitz der Stadt Basel, die daraus ein Schloss für ihre Landvögte machte. Fast 300 Jahre lang residierten diese hier, bis sie in der Zeit der Französischen Revolution von der Bevölkerung verjagt wurden. Das Schloss wurde in Brand gesteckt, geplündert und verfiel zur Ruine.


Erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg legte man die überwachsenen Mauern wieder frei und begann mit Sanierungsarbeiten. Heute lässt sich der Wohnturm über einen Aufgang besteigen. Von dort bot sich ein eindrücklicher Tiefblick über die Reste der Burganlage und weit hinaus ins Homburgertal – ein Moment, in dem Geschichte und Landschaft auf besondere Weise ineinandergriffen.


Vom Burghügel führte uns der Weg schliesslich wieder durch den Wald hinab ins Tal. Am Wegrand sorgte noch ein überdimensionales, orangefarbenes Bänkchen für einen überraschenden Akzent – viel zu hoch zum normalen Sitzen, aber gerade dadurch ein kleiner Blickfang, der fast etwas Spielerisches in die stille Waldszenerie brachte.


Schon bald erreichten wir den Waldausgang, und vor uns lag Läufelfingen. Auf einem Teersträsschen führte der Weg quer durchs Dorf bis zum Bahnhof, wo unsere Wanderung ihren Abschluss fand.


Fazit


Eine abwechslungsreiche Tour lag hinter uns: rund 12 Kilometer in etwa 3,5 Stunden Gehzeit, mit insgesamt 390 Höhenmetern im Aufstieg. Eine Route, die mit stillem Tal, rauschendem Wasserfall, geschichtsträchtiger Burgruine und weiten Ausblicken eine schöne Mischung aus Natur und Kultur bot. Kein spektakulärer Höhenweg, aber eine stimmige Wanderung durch eine oft unterschätzte Region – genau richtig für einen Tag, an dem man Ruhe, Geschichte und Landschaft miteinander verbinden wollte.

Rünenberg - Homburg - Läufelingen 

Homburgertal
IMG_6027
IMG_6028
IMG_6024
IMG_6025
IMG_6026
IMG_6030
IMG_6036
IMG_6035
IMG_6034
IMG_6033
IMG_6032
IMG_6031
IMG_6037
IMG_6039
IMG_6023
IMG_6041
IMG_6029
IMG_6043
IMG_6050
IMG_6047
IMG_6038
IMG_6046
IMG_6045
IMG_6053
IMG_6042
IMG_6044
IMG_6051
IMG_6052
IMG_6048
IMG_6049
IMG_6040