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Zwischen Baumwipfeln und Stadtwegen – Unterwegs von Baar nach Zug
Statt der geplanten Tour in der Nordwestschweiz entschieden wir uns aufgrund der unsicheren Wetterprognosen bewusst für eine Alternative in der Region Zug. Der Blick auf den Wetterradar am Morgen sorgte allerdings zunächst für einen kleinen Dämpfer – für mehrere Stunden war Regen angekündigt. Umso überraschter waren wir, als sich die Bedingungen vor Ort deutlich besser zeigten. Der Himmel blieb zwar den ganzen Tag über bedeckt, doch es blieb trocken. Im Mittelpunkt unserer Wanderung stand ein Bauwerk, das wir bisher nur von Bildern kannten: der Schlaufensteg bei Baar.
Der Start in Walterswil führte uns zunächst durch ein grösseres Industriegebiet, das wir allerdings nur am Rande streiften. Nach der Unterquerung der Autobahn liessen wir diesen Abschnitt rasch hinter uns. Wir verliessen die Strasse und zweigten auf ein Natursträsschen ab, das uns allmählich in Richtung Wald führte. Die Umgebung wurde ruhiger, der Übergang von bebautem Gebiet zur Natur erfolgte fliessend.
Schon bald tauchten wir in den Wald ein und folgten dem leicht abfallenden Weg hinunter ins Tal. Nach dem Verlassen des Waldes trafen wir erneut auf eine Strasse, der wir folgten und entlang des Littibachs weiter in Richtung Lorze wanderten. Am Bach entlang erreichten wir schliesslich die Lorze, die wir überquerten. Unmittelbar danach zweigten wir auf einen naturbelassenen Uferweg ab. Dieser Abschnitt erwies sich als besonders stimmig: ruhig, leicht verwinkelt und stets nahe am Wasser.
Wir folgten der Lorze, bis uns die Wegweisung wieder auf die andere Uferseite leitete. Kurz darauf überquerten wir den Fluss ein weiteres Mal – und standen wenig später direkt vor dem Schlaufensteg.
Zunächst noch zurückhaltend zwischen den Bäumen sichtbar, wurde mit jedem Schritt deutlicher, wie sich die Konstruktion in die Umgebung einfügt. Der Steg windet sich in sanften Schlaufen durch den Wald und führt dabei immer höher zwischen die Baumkronen. Der Aufstieg über die Treppen veränderte die Wahrnehmung spürbar. Der Boden entfernte sich langsam, während sich die Äste und Kronen auf Augenhöhe näherten.
Oben angekommen entstand dieses besondere Gefühl, sich nicht mehr durch den Wald zu bewegen, sondern mitten darin zu stehen – einfach auf einer anderen Ebene. Die Umgebung wirkte ruhig, beinahe abgeschirmt. Zu unserer Überraschung hatten wir den Schlaufensteg an diesem Tag praktisch für uns allein. Kein Stimmengewirr, kein Kommen und Gehen – nur das gleichmässige Gehen auf dem Holz und das gedämpfte Licht unter dem bedeckten Himmel. Gerade diese Ruhe machte den Moment zu einem besonderen Erlebnis.
Nach dem Abstieg und wieder festen Boden unter den Füssen folgten wir vorerst der Strasse, bis uns die Wegweisung in das Wäldchen des Altgutsch hineinführte. Dieser kurze Abschnitt brachte nochmals etwas Ruhe, bevor wir schon bald wieder die Strasse und den Stadtrand von Baar erreichten.
Nun war für eine Zeit lang Stadtwandern angesagt. Wir folgten den Markierungen durch die Quartiere hinaus und liessen nach der Turnhalle die Ortschaft allmählich hinter uns. Über Feldwege und an Obstplantagen vorbei wanderten wir in Richtung des Zuger Stadtteils Inwil. Zu unserer Überraschung standen die Obstbäume bereits in voller Blüte und brachten einen unerwarteten Farbakzent in die ansonsten eher zurückhaltende Landschaft. Ein kurzer Moment, der die Wanderung auf angenehme Weise auflockerte.
Der Wechsel zwischen Siedlung und offenem Gelände setzte sich fort: wieder durch Quartiere, dann erneut über freiere Flächen, bis wir schliesslich endgültig in der Stadt Zug ankamen.
An der schmucken Loretokapelle vorbei führte unser Weg weiter in Richtung Zentrum. Die kleine Kapelle stammt aus dem 17. Jahrhundert und liegt leicht erhöht über der Stadt – ein ruhiger Ort mit Blick auf Zug und den See. Von hier aus zogen wir weiter in die Altstadt hinein. Enge Gassen, historische Gebäude und farbige Fassaden prägen diesen Teil und bilden einen schönen Kontrast zum zuvor eher funktionalen Abschnitt.
Schliesslich erreichten wir das Ufer des Zugersees. Wir folgten dem See entlang bis zur sogenannten Katastrophenbucht, wo ein Gedenkstein an den Bergsturz von 1887 erinnert, bei dem ein Teil der Uferzone in den See abrutschte. Heute wirkt der Ort ruhig und unscheinbar, doch die Geschichte dahinter verleiht ihm eine besondere Bedeutung.
Der letzte Abschnitt führte uns entlang der Strasse in Richtung Bahnhof Zug, wo unsere Wanderung schliesslich endete.
Fazit
Eine abwechslungsreiche Wanderung mit rund 12 Kilometern, etwa 130 Höhenmetern und einer Gehzeit von rund 3 Stunden, deren klarer Höhepunkt der Schlaufensteg bei Baar ist. Die Kombination aus ruhigen Naturabschnitten entlang von Littibach und Lorze, dem besonderen Erlebnis zwischen den Baumwipfeln sowie dem Übergang in die Stadt Zug macht die Tour zu einer stimmigen Halbtagestour – auch bei unsicherer Wetterlage.