Wandern macht glücklich!

Aktuelle Wanderung

Wilchingen-Hallau – Osterfingen – Skulpturenweg – Jestetten

Zwischen Winterruhe und Holzkunst


Es war mitten im Januar. Noch klar Winter – auch wenn er sich in diesen Tagen bereits wieder zurückzuziehen begann. Erst in der Woche zuvor hatte es bis ins Flachland geschneit, nun lagen die Temperaturen wieder im Plusbereich. Der Schnee hielt sich nur noch stellenweise, vor allem im Schatten und in Mulden. Dazu kam ein kalter Tag mit tiefer hängendem Nebel, der sich an den umliegenden Hügeln festgesetzt hatte und der Landschaft eine gedämpfte, fast intime Stimmung verlieh.


Bei der Bahnstation Wilchingen-Hallau starteten wir unsere Wanderung bewusst etwas früher, um die Strecke zu verlängern und langsam in den Tag hineinzufinden. Wir verliessen den Bahnhof in südliche Richtung und folgten zunächst der Strasse. Zwischen Feldern und ersten Siedlungen stellte sich rasch dieser ruhige Wanderrhythmus ein, bei dem jeder Schritt selbstverständlich wird.


Nach einiger Zeit erreichten wir die Ortschaft Wilchingen. Schon lange zuvor hatte sie uns begleitet: die Kirche St. Othmar, gut sichtbar auf ihrem Hügel gelegen, wirkte wie ein stiller Orientierungspunkt. Die Wegweisung führte uns mitten durch das Dorf, vorbei an Häusern und Gärten, bevor wir Wilchingen auf der Südseite wieder hinter uns liessen. Kein abrupter Übergang, kein Bruch – einfach weitergehen.


Nun zog der Weg langsam an und gewann an Höhe. Wir erreichten den oberen Rand der Rebberge von Osterfingen. Unter uns lagen die Reben in winterlicher Ruhe, entlaubt und ordentlich gereiht. Oberhalb des Weinbaugebiets wirkte der Weg bereits abgeschiedener. In diesem Abschnitt passierten wir auch das Winterlislöchli – eine kleine, unscheinbare Höhle, die mehr durch ihre Geschichten als durch ihre Grösse auffällt.


Der Weg senkte sich anschliessend wieder und führte uns durch die Rebberge hinab in den Ortskern von Osterfingen. Das Dorf zeigte sich ruhig und zurückhaltend. Hier begann offiziell der Skulpturenweg. Gleich zu Beginn stand der Paradiesvogel: aus einem mächtigen Eichenstamm gearbeitet, überraschend gross und dennoch leicht und schwungvoll in seiner Form. Ein stimmiger Auftakt, der den Charakter des Weges gut widerspiegelte.


Der Strasse entlang querten wir den gesamten Ort und erreichten nach knapp einem Kilometer bereits die nächste Skulptur: die Eidechse. Unauffällig platziert, sinnbildlich für einen gesunden Lebensraum, und bewusst in einem Umfeld angesiedelt, das auch Kinder zum Entdecken einlädt. Ein leiser, aber klarer Hinweis auf den Wert der Natur.


Kurz darauf wechselte der Untergrund. Asphalt blieb zurück, Naturbelag übernahm. Der Weg führte in ein kleines Tälchen hinein und stieg stetig an. Hier zeigte sich der Winter nochmals von seiner anspruchsvolleren Seite: Der Untergrund war stellenweise noch schneebedeckt und teilweise stark vereist. Vorsichtiges Gehen war gefragt, das Tempo reduzierte sich automatisch. Dazu blieb das Wetter kühl, und der Nebel hing tief in den umliegenden Hügeln – nicht bedrückend, aber spürbar präsent.


Entlang dieses Abschnitts begegneten wir dem Adler, Sinnbild für Stärke und Weite, und wenig später dem Uhu – zurückhaltend, lauernd, fast unsichtbar. Zwei sehr unterschiedliche Skulpturen, die dennoch perfekt in diesen stillen Waldabschnitt passten.


Bei der Wasenhütte erreichten wir das Rehkitz. Fein gearbeitet und ruhig in seiner Ausstrahlung, blieb man hier unwillkürlich einen Moment länger stehen. Eine kleine Pause an der Hütte liessen wir uns nicht nehmen. Viel höher würde es nun nicht mehr hinausgehen – der höchste Punkt der Wanderung war erreicht.


Ab hier führte ein schmaler Pfad weiter durch den Wald. Zum Teil leicht moorig, weich unter den Füssen, wirkte dieser Abschnitt trotz der winterlichen Bedingungen beinahe romantisch. Der Wald war still, der Weg schmal, und gerade diese Mischung aus Feuchtigkeit, Nebel und Ruhe verlieh dem Abschnitt eine besondere Atmosphäre.


An der Landesgrenze stiessen wir auf die Skulptur Mensch. Klar in der Form, sorgfältig ausgearbeitet, wirkte sie bewusst reduziert. Ein passender Ort – genau dort, wo sich Wege und Länder fast beiläufig berühren.


An einer grossen Wegkreuzung erreichten wir wieder Asphalt und damit auch deutsches Staatsgebiet. Der Weg führte nun gemächlich bergab. Die Dachsfamilie und die Sitzbank liessen wir hinter uns und begegneten kurz darauf dem Bär: kraftvoll, ruhig, präsent. Ein markanter Punkt auf dem letzten Abschnitt des Skulpturenwegs.


Durch den sogenannten Frankengraben führte der Weg weiter hinab. Ein kurzer Abstecher brachte uns zum Fuchs, der in Bewegung dargestellt war, wachsam und gespannt. Der kleine Aussichtspunkt mit Sitzbank eröffnete den Blick auf Jestetten und die nebelverhangenen Hügel – ein ruhiger Moment zum Innehalten, bevor es endgültig Richtung Ort ging.


Zurück auf der Route verliessen wir bald den Wald und erreichten den Ortsrand von Jestetten. Dort fanden wir mit der Skulptur Seelenfreiheit den letzten Halt des Weges: ein Sitz, ein Milan, eine Einladung zur Ruhe. Ein stiller, fast meditativer Abschluss.


Der Strasse folgend fanden wir schliesslich den Bahnhof, wo unsere Wanderung endete. Kein lauter Schlusspunkt – sondern ein stimmiger Abschluss nach einem Weg, der mehr von leisen Eindrücken lebte als von grossen Gesten.


Fazit


Diese Winterwanderung zeigte sich abwechslungsreicher als zunächst erwartet. Schnee- und Eispassagen im Tälchen verlangsamten das Tempo, machten das Gehen aber auch bewusster. Der Skulpturenweg begleitete die Route zurückhaltend und wirkungsvoll – Kunst, die nicht dominiert, sondern den Blick schärft.


Mit einer Länge von 12,6 Kilometern, rund 320 Höhenmetern und einer Gehzeit von etwa 3,5 Stunden – bedingt durch die winterlichen Wegverhältnisse – ist die Tour gut machbar, erfordert bei Schnee und Eis jedoch Trittsicherheit. Eine ruhige, atmosphärische Wanderung, die gerade im Winter ihren eigenen Charakter entfaltet.

Skulpturenweg Osterfingen
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