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Sumpftour von der Goldküste ins Oberland
Der Februar zeigte sich an diesem Morgen von seiner ruhigen, aber hartnäckigen Seite. Ein zäher Hochnebel lag tief über der Landschaft entlang des Zürichsees und liess kaum Hoffnung auf sonnige Auflockerungen zu. Vom Winter war zwar kein Schnee zu sehen, dennoch lag eine kühle, feuchte Stimmung in der Luft – ideal für eine Wanderung, bei der weniger spektakuläre Aussichten als vielmehr stille Naturerlebnisse im Vordergrund stehen sollten.
Auf der Suche nach einer neuen Route stiessen wir auf einen Titel, der uns sofort zum Schmunzeln brachte: „Sumpftour von der Goldküste ins Oberland“. Schon der Name versprach eine Wanderung abseits klassischer Panoramawege. Statt Höhenzügen erwarteten uns Moorlandschaften, Weiher und feuchte Wiesen – Landschaftsformen, die gerade im Winter eine besondere, ruhige Atmosphäre ausstrahlen.
Mit dem Zug reisten wir nach Stäfa, wo wir unsere Tour starteten. Am Bahnhof verliessen wir das Gebäude auf der nördlichen Seite und tauchten zunächst in ruhige Wohnquartiere ein. Der Weg führte stetig bergan zum oberen Ortsrand. Die Häuser wurden nach und nach weniger, Gärten gingen in offene Wiesen über, und die Umgebung wurde merklich ruhiger. Kurz darauf verliessen wir die Strasse und fassten auf einem gut ausgeschilderten Wanderweg Fuss, der uns ins Risitobel führte.
Das Risitobel bildet einen kleinen, landschaftlich reizvollen Einschnitt oberhalb von Stäfa. Ein Bach hat sich hier über lange Zeit seinen Weg durch den Hang gegraben und eine naturnahe Tobellandschaft geschaffen. Besonders eindrücklich wirkten die zahlreichen Treppenstufen und schmalen Holzstege, die uns sicher durch das wildromantische Tobel hinauf führten. Das kahle Geäst liess den Blick tief ins Tobel zu, während das leise Plätschern des Wassers eine ruhige Begleitkulisse bildete.
Oben angekommen öffnete sich die Landschaft beim Panoramaplatz Risi Stäfa. Aufgrund des hartnäckigen Hochnebels blieb uns die erhoffte Fernsicht allerdings verwehrt. Wir entschieden uns deshalb, ohne längere Pause weiterzuwandern. Der Weg wurde breiter und führte uns auf einem Forststrässchen weiter bergan über die bewaldete Bergkuppe des Schuepis. Der Wald wirkte ruhig und abgeschirmt, das gedämpfte Licht verstärkte die entspannte Wanderstimmung.
Nach der Waldpassage senkte sich der Weg langsam wieder. Bei der Seeweid öffnete sich der Blick auf das Ütziker Ried mit seinen zahlreichen Weihern. Trotz fehlender Fernsicht zeigte sich die Moorlandschaft eindrücklich. Die Wasserflächen lagen ruhig da, abgestorbene Schilfhalme verliehen der Landschaft eine raue, fast ursprüngliche Struktur.
Der Wanderweg führte uns anschliessend durch die Obstkulturen von Buen und Lutikon oberhalb von Hombrechtikon. Im Februar präsentierten sich die Obstplantagen noch karg. Die Bäume standen im Winterschlaf, ihre kahlen Äste zeichneten sich wie feine Linien gegen den grauen Himmel ab. Gleichzeitig liess die reduzierte Vegetation den Blick weit über die sanfte Hügellandschaft schweifen.
Schon bald erreichten wir den Lützelsee, den wir auf seiner nördlichen Seite passierten. Der Flachsee steht vollständig unter Naturschutz und bildet zusammen mit den umliegenden Moorflächen ein wichtiges Rückzugsgebiet für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Auch im Winter besitzt das Gebiet eine besondere Ausstrahlung. Ruhiges Wasser, raschelndes Schilf und die offene Landschaft sorgten für eine beinahe meditative Stimmung. Entlang des Weges passierten wir zudem die Storchenstation, welche sich für den Schutz der Weissstörche einsetzt.
Vorbei am Adletshuser Riet setzten wir unsere Wanderung fort und nahmen Kurs auf den Reipenhof. Beim Umrunden des Altrütiwaldes begleitete uns zur linken Seite das Itziker Riet. Dieser Abschnitt verlangte unsere volle Aufmerksamkeit, da der Weg hier stark vereist war. Entsprechend vorsichtig und konzentriert bewegten wir uns weiter, um die rutschigen Passagen sicher zu überwinden.
Der Weg führte anschliessend ruhig durch die Kulturlandschaft, bevor wir einen Bogen um den Giessenweiher machten. Kurz darauf erreichten wir mit dem Rietbacher Riet bereits die vierte Moorlandschaft des Tages. Mit dem Wechselriet folgte schliesslich der letzte Sumpfabschnitt, bevor wir den Ortsrand von Bubikon erreichten.
Nach den vielen Naturabschnitten wirkte die Rückkehr in den Siedlungsraum beinahe ungewohnt lebendig. Wir wanderten durch das Dorf, vorbei an der reformierten Kirche, und erreichten wenig später den Bahnhof. Bevor wir die Heimreise antraten, gönnten wir uns im Café Stellwerk noch eine wohlverdiente Stärkung. Ein Thonbrötchen, eine Cremeschnitte und ein Latte Macchiato bildeten den genussvollen Abschluss dieser Wanderung.
Fazit
Die „Sumpftour von der Goldküste ins Oberland“ erwies sich als abwechslungsreiche und landschaftlich vielseitige Wanderung. Besonders die Vielzahl an Moor- und Riedgebieten verleiht der Route ihren eigenen Charakter und sorgt für eine ruhige, naturnahe Wanderatmosphäre. Auch wenn uns der zähe Hochnebel die Fernsicht verwehrte, unterstrich gerade diese Stimmung die Ursprünglichkeit der Landschaft. Der vereiste Wegabschnitt beim Itziker Riet zeigte zudem, dass solche Touren im Winter eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.
Mit einer Distanz von rund 12,7 Kilometern, etwa 320 Höhenmetern im Aufstieg und einer Gehzeit von ungefähr 3 Stunden und 20 Minuten bietet die Tour eine gut machbare Strecke ohne technische Schwierigkeiten. Die abwechslungsreiche Wegführung durch Tobel, Wälder, Kulturlandschaft und Moorgebiete sorgt dafür, dass die Wanderung durchgehend interessant bleibt. Für uns bleibt diese Tour als ruhige und entschleunigende Naturwanderung in Erinnerung.