Zwischen Moor und Obstgärten – von Amriswil über Muolen nach Winden


An diesem Sonntagmorgen zeigte sich Amriswil von seiner ruhigen Seite. Der Bahnhofplatz lag noch weitgehend still da, nur vereinzelt waren Menschen unterwegs. Über uns zogen dichte Wolkenfelder hinweg, doch immer wieder brach die Sonne kurz hindurch und liess für einen Moment ein Stück blauen Himmel erscheinen. Die Luft war frisch, und dennoch lag bereits ein Hauch von Frühling in der Luft. Für uns begann hier eine Wanderung durch das sanfte Hügelland zwischen Bodensee und St. Galler Hinterland.


Schon kurz nach dem Start liessen wir die letzten Häuser hinter uns. Der Weg führte rasch hinaus in die offene Landschaft des Oberthurgau. Weite Felder breiteten sich aus, dazwischen lagen einzelne Bauernhöfe und kleine Baumgruppen. Das Gelände steigt hier nur sanft an und ab, wodurch sich schnell ein angenehmer Wanderrhythmus einstellt.


Während wir unseren Weg fortsetzten, zeigte sich der Himmel weiterhin wechselhaft. Immer wieder schob sich die Sonne zwischen den dichten Wolken hindurch und tauchte die Landschaft für kurze Zeit in warmes Licht. Dann wiederum zogen graue Wolkenfelder über uns hinweg. Dieses Spiel aus Licht und Schatten verlieh der Umgebung eine besondere Stimmung.


Die Landschaft wirkte ruhig und aufgeräumt. Obstbäume standen entlang der Wege, und auf den Feldern waren bereits erste Zeichen des nahenden Frühlings zu erkennen. Die Luft fühlte sich milder an als noch vor wenigen Tagen, und man hatte das Gefühl, dass die Natur langsam aus ihrer Winterruhe erwacht.


Nach einiger Zeit führte uns der Weg in ein kleines Waldgebiet. Mit dem Wechsel in den Wald veränderte sich auch die Atmosphäre. Die Geräusche der offenen Landschaft wurden leiser, und das Licht fiel gedämpft durch die Baumkronen. Der Boden wurde spürbar weicher, und in der Luft lag ein feuchter, erdiger Geruch.


Schon bald erreichten wir das Hudelmoos, eines der grössten Moorgebiete im Kanton Thurgau. Das Hochmoor entstand nach der letzten Eiszeit und gehört heute zu den wertvollen Naturschutzgebieten der Region.


Kaum hatten wir das Gebiet betreten, zeigte sich eine völlig andere Landschaft. Während draussen bereits der Frühling spürbar war, hatte sich hier im Moor der Winter noch einmal bemerkbar gemacht. Die Schneefälle vom Vortag lagen stellenweise noch zwischen den Birken und Schilfflächen. Auf den dunklen Moorböden bildeten die weissen Schneereste einen spannenden Kontrast.


Diese Mischung aus Schnee, Wasserflächen und den hellen Birkenstämmen verlieh dem Hudelmoos eine ganz besondere Stimmung. Über den offenen Moorflächen lag eine beinahe geheimnisvolle Ruhe. Kleine Wasserläufe schlängelten sich durch das Gelände, während der Boden unter den Füssen leicht federnd wirkte. Stellenweise führten Holzstege durch die empfindlichen Moorbereiche.


Die Sonne kämpfte sich auch hier immer wieder durch die Wolken. Wenn ein Lichtstrahl durch die Birken fiel, begann der Schnee kurz zu glitzern, bevor die Wolken das Licht wieder verschluckten. Gerade dieser Wechsel zwischen Licht, Schnee und dunklem Moorboden machte den Reiz dieser Passage aus.


Wir liessen uns Zeit, durch diese besondere Landschaft zu gehen. Das Hudelmoos besitzt eine Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist – still, weit und gleichzeitig ein wenig geheimnisvoll. Es ist einer jener Orte, an denen man automatisch langsamer wird.


Nachdem wir das Moorgebiet hinter uns gelassen hatten, öffnete sich die Landschaft wieder. Der Weg führte hinaus in die weiten Felder rund um Muolen. Hier war der Frühling sofort wieder spürbar. Die Schneereste verschwanden, und die Luft fühlte sich deutlich milder an.


Schon bald erreichten wir das Dorf Muolen, das leicht erhöht in der Landschaft liegt. Als nördlichste Gemeinde des Kantons St. Gallen befindet sich Muolen nur wenige Schritte von der thurgauischen Kantonsgrenze entfernt.


Der Weg führte uns mitten durch den Ort – allerdings grösstenteils entlang der Hauptstrasse. Dieser Abschnitt erwies sich als der wohl unspektakulärste Teil unserer Wanderung. Die Strasse zog sich gefühlt endlos durch das Dorf, und ausser einigen Wohnhäusern und vereinzelten Höfen bot sich unterwegs nicht allzu viel Abwechslung.


So gingen wir Schritt für Schritt durch Muolen, während der Ort langsam hinter uns vorbeizog. Manchmal gehören solche Abschnitte eben auch zu einer Wanderung dazu. Sie laden weniger zum Verweilen ein, bieten dafür aber Gelegenheit, einfach weiterzugehen und sich auf den nächsten landschaftlichen Abschnitt zu freuen.


Umso schöner war es, als wir den Ort schliesslich hinter uns liessen und der Weg wieder hinaus in die offene Landschaft führte. Die Felder öffneten sich erneut vor uns, und sofort stellte sich wieder dieses angenehme Gefühl ein, das man beim Wandern durch freie Natur so schätzt.


Unsere Route führte nun weiter über Feldwege und kleine Strässchen durch die sanften Hügel des Oberthurgau. Die Landschaft wirkte weit und ruhig, und ausser vereinzelten Bauernhöfen war kaum jemand unterwegs. Vogelstimmen begleiteten unseren Weg, während der Wind über die Felder strich.


Ein kleiner Bach begleitete uns zeitweise auf unserem Weg. Seine Quelle liegt ebenfalls im Gebiet des Hudelmoos. Von dort aus schlängelt sich das Wasser durch die Landschaft und sucht sich seinen Weg in Richtung Bodensee.


Langsam näherten wir uns unserem Ziel. Die Landschaft wurde wieder etwas dichter besiedelt, und in der Ferne tauchten die ersten Gebäude von Häggenschwil-Winden auf. Gleichzeitig zeigte sich die Sonne noch einmal zwischen den Wolken – fast so, als wollte sie diese Wanderung freundlich verabschieden.


Schliesslich erreichten wir den kleinen Bahnhof von Winden, der ruhig zwischen Feldern und Bäumen liegt. Hier endete unsere Tour – mit dem Gefühl, eine abwechslungsreiche Wanderung durch eine stille und oft übersehene Landschaft der Ostschweiz erlebt zu haben.


Fazit


Die Wanderung von Amriswil über Muolen nach Winden führt durch die ruhige Kulturlandschaft des Oberthurgau und verbindet offene Felder, kleine Dörfer und das eindrucksvolle Naturschutzgebiet Hudelmoos zu einer abwechslungsreichen Tour. Besonders das Moorgebiet verleiht der Strecke eine besondere Atmosphäre – vor allem dann, wenn wie bei unserer Wanderung der Winter mit Schneeresten noch einmal kurz zurückkehrt. Insgesamt legten wir rund 11,9 Kilometer zurück und bewältigten dabei etwa 126 Höhenmeter im Aufstieg. Für die gesamte Strecke benötigten wir gemütliche rund drei Stunden Gehzeit.

Amriswil - Hudelmoos - Muolen - Winden

Hudelmoos
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