Winterland am Seerückweg – zwischen Erwartung und Wirklichkeit


Der Titel klang nach Frost, nach gefrorenem Boden und nach einer Landschaft im Winterschlaf: Winterland am Seerückweg. Entdeckt hatten wir diese Wanderung bereits vor einigen Jahren, sorgfältig geplant, gedanklich mehrfach durchlaufen – und dann doch nie umgesetzt. Manchmal bleiben Touren liegen, nicht aus Mangel an Interesse, sondern weil der richtige Moment fehlt. Nun holen wir dieses Vorhaben nach. Ohne Schnee unter den Füssen, aber mit offenen Sinnen für das, was sich zeigt.


Unser Startpunkt liegt bei der Bahnstation in Müllheim-Wigoltingen. Kaum losgegangen, lassen wir den Ort bereits wieder hinter uns. Der Weg führt zunächst über Hartbelag, sachlich und unspektakulär. Erst nach kurzer Zeit lenkt uns die Wegweisung auf ein schmales Feldsträsschen. Vor uns öffnen sich weite Ackerflächen, typisch für den Thurgau: funktional, grosszügig, ruhig. Die Farben sind noch gedämpft, doch die Luft wirkt milder als erwartet. Der Winter hält sich zurück – der Frühling scheint bereits leise anzuklopfen.


Eine Unterführung bringt uns unter der Autobahn hindurch. Der kurze Bruch mit der Landschaft ist schnell überwunden, und nach und nach nähern wir uns erneut dem Siedlungsgebiet von Müllheim. Auf einem geteerten Weg ziehen wir durch das Dorf hinaus, vorbei an den letzten Häusern. Danach beginnt der Weg allmählich anzusteigen.


Am Dorfrand wechseln wir auf einen Wanderweg, der uns in den Wald hineinführt – und hier wird es plötzlich besonders stimmungsvoll. Vermoste Baumstämme säumen den Pfad, Vogelgezwitscher begleitet unsere Schritte, und immer wieder brechen Sonnenstrahlen durch das noch lichte Geäst. Das Licht zeichnet helle Flecken auf den Waldboden, während der Untergrund weich und angenehm federnd wirkt. Es ist einer dieser Abschnitte, die nicht spektakulär sind, aber lange nachhallen. Der Winter mag im Kalender stehen – doch hier draussen kündigt sich bereits der Frühling an.


Auf der Mittleren Egg flacht der Weg wieder ab, fast unmerklich. Der Wald lichtet sich, bevor wir ihn schliesslich ganz hinter uns lassen. Ein schmales Strässchen führt uns weiter leicht bergan. Bald taucht das Schloss Klingenburg vor uns auf. Seine Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, und auch wenn wir nur daran vorbeiziehen, ist seine Präsenz deutlich spürbar.


Zwischen dem Schloss und Homburg öffnet sich die Landschaft eindrücklich. Weit schweift der Blick über das Land hinaus – und am Horizont erhebt sich der verschneite Alpenbogen. Von den Allgäuer Bergen bis weit in die Berner Alpen hinein zeichnet sich eine helle, beinahe majestätische Linie ab. Ein weiter Kontrast zur sanften Hügellandschaft des Seerückens, und doch fügt sich alles harmonisch zusammen. Es sind solche Momente, die eine Wanderung plötzlich grösser erscheinen lassen.


Mit Homburg grüsst der nächste Ort, den wir jedoch rasch hinter uns lassen. Über Feldwege gelangen wir zum kleinen Weiler Euggerschwil. Die wenigen Häuser sind schnell passiert, und auf einem Teersträsschen steigen wir weiter hinauf zum Gasthaus Haidenhaus. Hier erreichen wir den höchsten Punkt unserer Wanderung. Kein dramatischer Gipfel, sondern ein stiller Übergang. Von nun an geht es mehrheitlich bergab.


Die Wegweisung führt uns wieder in den Wald hinein. Wir folgen einem Forststrässchen sanft abwärts, bevor wir in ein schmaleres Wanderweglein einbiegen, das oberhalb des Härdlitobels entlangführt. Dieser Abschnitt wirkt beinahe romantisch. Der Pfad zieht sich erhöht durch den Wald, begleitet vom leisen Rascheln der Bäume. Gleichzeitig verlangt er Aufmerksamkeit. Wurzeln durchziehen den Boden, der Abstieg wird steiler, gegen Ende auch etwas rutschig. Der Weg fordert Trittsicherheit und Konzentration – ein schöner, aber durchaus anspruchsvoller Teil dieser Tour.


Weiter unten setzen wir unsere Schritte wieder auf ein Forststrässchen. Plötzlich öffnet sich der Wald, und erstmals zeigt sich der Untersee vor uns. Ein weiter, ruhiger Blick, der ohne grosse Inszenierung wirkt. Noch einmal tauchen wir in ein kleines Wäldchen ein, umgehen den Hügel des Haademaschilchli, bevor wir den Wald endgültig hinter uns lassen.


Nun liegt Steckborn vor uns. Der Blick öffnet sich über den Untersee hinweg, das Feldsträsschen mündet bald in ein Strässchen, und wir erreichen den Ortrand. Das letzte Wegstück führt durch das malerische Städtchen mit seinen gepflegten Riegelhäusern. Ruhig, fast beiläufig endet unsere Wanderung am Bahnhof von Steckborn.


Fazit


Der Winterland am Seerückwegzeigt sich weniger als klassische Winterwanderung, dafür als ruhige, ausgewogene Tour durch das sanfte Hügelland des Thurgaus. Auf rund 13,5 Kilometern führt der Weg durch eine abwechslungsreiche Abfolge von Feldern, stimmungsvollen Waldabschnitten und weiten Ausblicken bis hin zum verschneiten Alpenbogen. Die etwa 3 Stunden und 45 Minuten Gehzeit vergehen gleichmässig, der moderate Aufstieg von rund 330 Höhenmetern bleibt gut verteilt und angenehm zu bewältigen. Eine Wanderung, die leise beginnt, unterwegs überrascht und gerade durch ihre Vielfalt überzeugt.

Müllheim - Homburg - Steckborn (Thurgauer Seerückenweg)

Thurgauer Seerückenweg
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